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Tipps: Sitzbänke und Gepäcksysteme aus Leder pflegen

Rein optisch können schöne Sitzbänke und Gepäcksysteme einen riesigen Unterschied bei einem Vintage-Bike machen und aus eurer Maschine einen echten Hingucker machen. Wer nun allerdings viel Geld in eine Custom-Sitzbank investiert hat, möchte natürlich auch eine Weile etwas davon haben.

Für hochwertige Sitzbänke und Satteltaschen wird in der Regel Echtleder verwendet, meist spezielles Leder für die Automobilbranche. Aber auch Bootsleder ist nicht unüblich. Der Vorteil: Dieses Leder ist durch seine Gerbung widerstandsfähiger und robuster als andere Arten. Aber auch Kunststoff und Kunstleder sind in der Branche auf dem Vormarsch – hier entscheidet letztlich der persönliche Geschmack. Während nichts an die Optik und das Gefühl von Leder heranreicht, ist es natürlich in der Pflege etwas aufwendiger.

Tipps für die Pflege von Echtleder

Um nach einer langen Tour Insektenschmutz oder Straßendreck wieder loszuwerden, könnt ihr einfach ein fusselfreies Tuch für ein paar Minuten auflegen, das vorher in warme Seifenlauge getaucht wurde – so weicht Schmutz einfach auf. Ganz wichtig: Behandelt wegen der Rutschgefahr Sitzbänke niemals mit Lederfett. Sehr hartnäckigen Schmutz werdet ihr im Zweifelsfall mit speziellen, fettfreien Reinigungsprodukten wieder los. Diese enthalten meist auch noch einen UV-Schutz gegen das Ausbleichen in der Sonne. Spart außerdem in der Pflege mit Wasser, da das Trocknen andernfalls sehr lange dauert.

Kleiner Exkurs über die Verarbeitung von Leder

Leder unterscheidet sich nicht nur hinsichtlich der verwendeten Tierhäute – auch die Verarbeitung hat Einfluss auf den Einsatz im Bereich von Kleidung und Accessoires.

Das wohl gängigste Material für Motorräder und Bikerkleidung ist Nappaleder: Ursprünglich war es eher ein Begriff für Handschuh- und Bekleidungsleder, doch heute spricht man auch im Bereich von Möbeln und anderen Polsterteilen von Nappaleder – eigentlich ist es sogar ein Überbegriff für glattes Leder. Die Oberfläche ist glatt und geschmeidig, somit ist Nappa neben Kleidung auch hervorragend geeignet für Sitzbänke, Motorradtaschen und anderes Zubehör.

Nubukleder unterscheidet sich von Nappaleder durch seine feine, aufgeraute Oberfläche auf der Narbenseite. Damit erhält es erst seine typisch samtige Oberfläche, bei der die natürliche Lederfaser kaum mehr zu erkennen ist. Nubuk ist allerdings auch sehr empfindlich gegenüber Schmutz und Ausbleichen durch die Sonne – somit ist sein Einsatz eigentlich eher im Bereich von Accessoires wie Taschen oder Portemonnaies denn strapazierfähiger Motorradkleidung üblich.

Veloursleder wiederum ist noch stärker aufgeraut als Nubuk und hat eine unbeschichtete Rückseite. Seine Textur ist sehr grob und weniger weich und empfindlich, dadurch eignet es sich auch für sehr schöne Bikerjacken – man denke nur an cognac- oder naturfarbene Jacken oder Fransenstiefel im Cowboystil, denen Velours erst die typische, naturverbundene Optik verleiht. Die Pflege ist übrigens kaum der Rede wert, denn Velours ist extrem unempfindlich gegen Flecken und lässt sich einfach abbürsten.

Eine besondere Stellung im Biker-Segment nimmt das sogenannte Full-Grain Leder ein, also vollnarbiges Glattleder, das nicht geprägt und abgesehen von der milden Gerbung naturbelassen ist. So sind alle natürlichen Unregelmäßigkeiten und die typische Narbung der Tierhaut gut zu erkennen lässt. Die Textur ist ebenfalls weich und sehr griffig – durch seine derbe Optik eignet es sich besonders gut für Vintage-Stücke.

Welches Leder für Motorradkleidung?

Bei unseren Bikes selbst als auch bei unserer Motorradkleidung ist Leder praktisch nicht wegzudenken: Jacken, Stiefel und Motorradsitze bekommen so erst ihren einzigartigen, derben und rohen Look. Leder prägt den Bikerstyle wie fast kein anderes Material und bietet zudem den besten Schutz, wenn es doch mal zum Sturz kommt. Doch was für Unterschiede gibt es eigentlich beim Leder selbst?

Das gängigste Leder ist nach wie vor Rind, dabei steht der Begriff Rindsleder für die Haut von Rind, Stier und Kuh. Aufgrund seiner starken Beschaffenheit und leichten Verfügbarkeit ist es gut einsetzbar in der Mode. Ein deutlich feineres Narbenbild als Rind hat Kalbsleder, das daher gern für sehr hochwertige und fein gearbeitete Stücke verwendet wird. Gleiches gilt auch für Hirsch- und insbesondere Rentierleder, das aufgrund seiner feinen und geschmeidigen Faserstruktur vermehrt für hochwertige Accessoires verarbeitet wird.

Sehr gerne kommt im Bereich der Motorradkleidung Känguru zum Einsatz: Es ist reißfester als Rind und kann daher noch dünner verarbeitet werden. Der Tragekomfort ist sehr leicht und angenehm, daher bietet es Bikern größtmögliche Bewegungsfreiheit. Seltener verwendet wird dafür Rossleder. Während es in den 30er-Jahren in rauen Mengen zur Verfügung stand und daher viel für die Kleidung von US-Motorrad-Polizisten und für Fliegerjacken eingesetzt wurde, kommt es heute größtenteils bei Schuhen und Stiefeln vor. Rossleder gilt als sehr robust und geschmeidig.