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„Sons of Anarchy“ – Mehr als der Denverclan auf Bikes?

Für die einen ist es TV-Unterhaltung auf höchstem Niveau, die zugleich einen seltenen Einblick in die kaum beleuchtete Szene der Motorradclubs verschafft. Andere wiederum halten die US-Show „Sons of Anarchy“ für klischeebeladene Haudrauf-Action, deren Brutalität zum Teil comichafte Züge annimmt und jeglichen Bezug zur Realität entbehrt. Egal, welcher Meinung ihr euch anschließen mögt – in jedem Fall polarisiert die Serie.

Viele Zuschauer bemängeln immer wieder die Klischees in der Serie, die ihrer Ansicht nach das Bild vom kriminellen Kuttenträger propagiert und nicht selten wie der „Denverclan auf Motorrädern“ anmutet. Denn: Die Intrigen und höchst emotionalen Familiendramen des Teller-Morrow-Clans nehmen einen Großteil der Haupthandlung ein und sind für den Plot womöglich sogar wichtiger als zum Beispiel die illegalen Waffengeschäfte, der Drogenverkauf und die Involvierung des Clubs im Porno-Business.

Womit wir auch schon beim nächsten Klischee sind: Die Jungs von SAMCRO lassen praktisch nichts aus, um ihr kostspieliges Motorrad-Hobby und die Aktivitäten des Chapters zu finanzieren. Mit der Teller-Morrow-Autowerkstatt gibt es zwar auch eine legale Einnahmequelle, die zudem einen Teil der Mitglieder als Mitarbeiter beschäftigt – doch besonders lukrativ ist das nicht.

In der Folge der illegalen Club-Aktivitäten enden die Auseinandersetzungen mit Gesetzeshütern und anderen MC’s häufig blutig, brutal und mitunter auch sehr absurd. Extrem gewaltbereit ist in der Serie eigentlich jeder – Skateboard-Attacken mitten ins Gesicht der Seitensprung-Affäre des Ehemanns oder hanebüchene Schlägereien in chinesischen Restaurants inklusive. Klischeehaft muten mitunter auch die veralteten Rituale und zementierten Club-Regularien, die Harte-Männer-Moral an.

Dennoch versuchte Serienschöpfer Kurt Sutter seinem zweiten Großprojekt nach der hochgelobten Polizeiserie „The Shield“ ein Höchstmaß an Authentizität einzuhauchen. So ist er sehr auf Zustimmung aus Biker-Kreisen bedacht und hat mit David LaBrava sogar ein aktuelles Hell’s Angels-Mitglied im Cast. Dieser steht der Show nicht nur als knurriger Darsteller des Bikers ‚Happy‘ zur Seite, sondern auch als technischer Berater – schließlich ist der Tausendsassa, der die „Sons of Anarchy“-Folge „Hands“ selbst schrieb, gelernter Harley-Davidson-Mechaniker.

Was meint ihr – wie authentisch wirken die Outlaws aus „Sons of Anarchy“ auf euch?

Darum erobern die Rocker von den „Sons of Anarchy“ das TV

Seit 2008 sorgen die „Sons of Anarchy“ in den USA schon für Furore – hierzulande ist die Serie leider erst seit rund zwei Jahren zu sehen. Für diejenigen, die mit dem Thema noch nicht viel anfangen können – worum geht es eigentlich, und woher kommt der Hype?  

Im Zentrum von „Sons of Anarchy“ steht der gleichnamige, fiktive Motorradclub, der in groben Zügen an die Hell’s Angels angelehnt ist – so kommt Mitgründer Sonny Barger sogar zum ein oder anderen Gastauftritt. Speziell geht es um das in Nordkalifornien ansässige Chapter SAMCRO, kurz für Sons of Anarchy Motorcycle Club, Redwood Original, und dessen Mitglieder und Machenschaften. Zentral für die Story ist der fortwährende Konflikt zwischen Protagonist Jackson ‚Jax‘ Teller und dessen Stiefvater Clay Morrow, zugleich Präsident des Chapters.

Dieser Konflikt, in dem auch Jax‘ dominante und bisweilen sehr skrupellose Mutter Gemma eine wesentliche Rolle spielt, ist es, den Kritiker immer wieder hervorheben, denn er erinnert nicht nur an das große Hamlet-Motiv, sondern verleiht den sehr komplex gestalteten Figuren Tiefe und Entwicklung.

Natürlich kommen auch die Bikes nicht zu kurz – immerhin ist ein Motorradclub im Zentrum einer TV-Serie ein Novum und die Serienverantworlichen zelebrieren dieses auch. So werden die Protagonisten als derbe Rocker inszeniert, die stets Kutte mit dem optisch bestechenden Grim Reaper und den entsprechenden Patches auf dem Rücken tragen, gerne zu T-Shirt, Lederjacke und Jeans. Auf dem Haupt nicht mehr als minimalistische Braincaps, fahren Jax und Co. fast durchweg Harley-Davidson Dynas, mitunter auch umgebaut.

Ohne Frage: Wenn die SAMCRO-Crew auf ihren extrem coolen Choppern im Pulk auf den langen Straßen Nordkaliforniens unterwegs ist, in der Regel in äußerst gemächlichem Tempo und mit stimmungsvoller Rockmusik unterlegt, fühlt man die Freiheit von Easy Rider fast im Blut – und optisch bestechend ist der Anblick obendrein.